Thema: Heldentum

Ein zentraler Mythos faschistischer Ideologie ist zweifelsohne das "Heldentum" deutscher Soldaten. Trotz aller bewiesener und gut dokumentierter Verbrechen der Wehrmacht wird von faschistischer Seite krankhaft das Bild des aufrechten und tapferen deutschen Soldaten gezeichnet und eine angeblich einseitige Hochrüstung Englands sowie der "jüdisch-bolschewistische" UdSSR als verantwortlich für den 2. Weltkrieg bezeichnet.

Wie vor Jahren am Spektrum der Kritiker der Wehrmachtsausstellung deutlich wurde, stehen Nazis mit ihrer Verteidigung der deutschen Wehrmacht gegen die herrschende Geschichtsschreibung jedoch nicht allein. Aus der sogenannt christlich-bürgerlichen Ecke kamen einst große Vorwürfe gegen die Ausstellungsmacher, sie verunglimpften die Wehrmacht pauschal, viele Soldaten hätten nur "normalen" Dienst getan.

Doch "Heldentum" war keine Erfindung der Nationalsozialisten, sondern ist vielmehr in allen Gesellschaften vorhandenes ideologisches Potenzial, dessen sich reaktionäre Bewegungen regelmässig bedienen.

Die zunehmende Militarisierung gesellschaftlichen Lebens in Deutschland (Öffentl. Gelöbnisse und Zapfenstreiche, internationale Bundeswehreinsätze, Debatte um Einsatz im Inneren...) und die personalisierende Geschichtsaufbereitung für einen fesselnden Fernsehabend à la Knopp & Co. bestürzen uns. Deshalb wollen wir uns im Rahmen einer Arbeitsgruppe mit dem Thema "Heldentum" und seiner Bedeutung für Rechtsentwicklung und erstarkender Nazi-Szene beschäftigen.

Wer Interesse hat, mitzuarbeiten meldet sich bitte.


Literatur:

Michael Klundt (Hg.)
Heldenmythos und Opfertaumel
Bombenkrieg - Flucht und Vertreibung - Kriegsgefangenschaft: Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen im deutschen Gedächtnis
ISBN: 3-89438-288-0
PapyRossa Verlag
April 2004, 180 Seiten